Trügerische Ruhe

Nunmehr 3 Monate sind seit dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ vergangen. Der Hype den das Rechtsrock-Festival zeitweise auslöste, hat sich längst gelegt. Allgemein scheint es so, dass es in Nazi-Kahla recht ruhig geworden ist. Dazu muss jedoch gesagt werden: Die Ruhe ist nur äußerlicher Natur.

Tatsächlich ist es in Bezug auf rechtsmotivierte Straftaten recht still geworden. Besonders auffällig ist, dass in letzter Zeit keine nennenswerten grafischen Aktionen mit neonazistischen Hintergründen aufgetaucht sind, und auch Fälle von Vandalismus, wie die Attacke auf den Demokratieladen im April diesen Jahres, blieben bis jetzt aus. Unter Umständen hat das FN-Kahla gemerkt, dass ständige Übergriffe in Kombination mit notorischem Erwischtwerden, keine dauerhaft erfolgsversprechende Strategie sind.
Motiviert von der tatsächlichen und/oder halluzinierten Zustimmung, die der Thüringentag bei den Einwohnern Kahlas fand, gibt sich das Freie Netz Kahla zunehmend bürgernah. So wurde im August u. a. ein Spendenschwimmen im Kahlaer Freibad von FN-Leuten instrumentalisiert. Natürlich blieb aber auch stumpfe Nazi-Propaganda in letzter Zeit nicht aus: So zog man, ebenfalls im August, das obligatorische Rudolf-Heß-Gedenken durch. Zu Ehren des geisteskranken Hitler-Stellvertreters wurden im Kahlaer Stadtgebiet Kerzen aufgestellt und Propagandamaterial verteilt. Heß gilt bei den heutigen Nazis als Märtyrer.

Auch die Bundestagswahl vergangenes Wochenende zeigte wiedermal deutlich wie es um Kahla bestellt ist. Bereits im Vorfeld fiel auf, dass die NPD mit ihren Wahlplakaten am stärksten vertreten war. Auch das FN-Kahla meldete sich in Form einer Flugblatt-Aktion zu Wort, bei der dazu aufgerufen wurde im Zweifel die neonazistische Partei zu wählen.
Addiert man die Wahlergebnisse der (eindeutig) rechten Parteien (NPD, AfD, Republikaner), so kommt man in Kahla auf insgesamt 13,7% der Zweitstimmen.