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Demonstration gegen die rechte Hegemonie in Kahla

85 Menschen fanden sich am vergangenen Samstag, den 21. Juni, am Bahnhof in Kahla ein, um an einer Demonstration gegen die Umtriebe rechtsextremer Gruppierungen in der „Porzellanstadt“ teilzunehmen. Auslöser war die Wahl mehrerer, zum Teil vorbestrafter, Neonazis aus dem Umfeld des rechten Hausprojekts „Burg 19“ in den Kahlaer Stadtrat. Bei der Wahl vom 25. Mai dieses Jahres bekam die NPD fast 9 % der Wählerstimmen. Die Demonstration führte entlang einiger Immobilien der lokalen Naziszene. Zu einigen der zentralen Akteure der rechten Szene in Kahla wurden Redebeiträge gehalten.

Die NPD hatte zuvor Flyer in der Stadt verteilt, in denen den Organisatorinnen und Organisatoren und späteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Demonstration unter anderem vorgeworfen wurde, sie seien undemokratisch und intolerant. Der Empfehlung an die Kahlaer Bevölkerung, die Demonstration der vermeintlichen Störenfriede von Außerhalb nicht zu folgen, kamen die Neonazis selber nicht nach. Schon am Bahnhof wurden die Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer von fünf Neonazis des „Freien Netzes Kahla“ empfangen und provoziert. David Buresch, einer der federführenden Akteure des FN Kahla und neuerdings auch Stadtrat, fotografierte die Demonstrantinnen und Demonstranten unentwegt. Der neue Kreistagsabgeordnete Hendrik Radtke, neuerdings etwas aufgedunsen, Robert Köcher, Mittelfeldspieler bei der SpVgg Rot-Weiß Graitschen, Benjamin Müller/Hercher, dessen Vater bei der Polizei arbeitet und Paul XXX, ursprünglich aus Berlin, wirkten dabei wie die zu groß geratenen Pimpfe des „Abgeordneten“ Buresch. Weitere Provokationen folgten unter anderem vor der Burg 19, wo einige aufgebrachte rechtsoffene Kahlaer durch Einsatzkräfte der Polizei zurückgedrängt werden mussten. Ähnliche Szenen ließen sich auf dem Rückweg in Richtung Bahnhof beobachten. Nur mit Not konnten die eingesetzten Polizisten verhindern, dass eine Gruppe sehr junger Neonazis die Demonstration erreichen konnte.

Auf viel Verständnis seitens der Kahlaer Bürger und Bürgerinnen stieß das Anliegen der Demonstration nicht. Viele brachten lautstark ihren Unmut über die Demonstration zum Ausdruck. Sowohl die Gegenproteste anlässlich des „Thüringentags der nationalen Jugend“ im Sommer des letzten Jahres, als auch der ausbleibende Protest angesichts der hohen Wahlergebnisse Rechtsextremer bei der Stadtratswahl, ließen diese Reaktion bereits vermuten. Es zeigte sich eindrücklich, dass die Kahlaer Bürgerinnen und Bürger an ihrem Burgfrieden festhalten möchten. Dass viele unter ihnen also nichts dagegen haben, dass in den Schulen rechte Jugendkultur dominiert, dass die NPD jetzt im Stadtrat sitzt und dass organisierte und bestens vernetzte Neonazis in der Burg 19 machen können, was sie wollen.

Auch die Polizei zeigte einmal mehr eindrucksvoll, welchen Anteil sie am derzeitigen Erstarken rechtsextremer Gruppierungen in Thüringen trägt. Schon im Vorfeld versuchte der Polizeichef von Kahla das Anliegen der Demonstration zu diskreditieren. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration, die sich nicht von den Neonazis abfotographieren lassen wollten, wurden am Ende der Demonstration zum Teil von der Polizei abgeführt. Den meisten wird Vermummung vorgeworfen. Zu diesem Zweck wurden Fotos der Teilnehmerinnen und Teilnehmer angefertigt, vermeintliche Beweisstücke wurden stilecht in Beweismitteltüten verpackt und noch vor Ort wurden entsprechende Dokumente erstellt. Wenn die Polizei gegenüber der rechten Szene ihrem Job mit derartiger Akribie nachkommen würde und nicht selbst dreisteste und gefährlichste Taten der Neonazis keine solche Beachtung schenktedann wäre zumindest ein Schritt in die richtige Richtung getan. Tatsächlich scheint sie aber zugunsten der Nazis auf ihr sonst so hochgelobtes rechtsstaatliches Gewaltmonopol zu verzichten.

Auch die Presse kann dem Anliegen der Demonstrationsteilnehmer nichts abgewinnen. In einem Artikel, der Montagmorgen in der „Thüringischen Landeszeitung“ (TLZ) erschien, titelt sie in der Überschrift: „Statt Botschaften nur Krawall“ – dabei bezog sie sich auf den “enttäuschten” Leiter des örtlichen Ordnungsamtes Thomas Schuhmacher, der meinte, er hätte die wahre Intention der Demo klar erkannt. Wie er zu dieser Erkenntnis gelangt, bleibt im Verborgenen. Im Artikel selbst wird festgestellt: Eigentlich ist nichts passiert. Auch die Feststellung, die Demonstration habe sich mehrmals kurz vor der Auflösung befunden, entbehrt jeglicher Grundlage. Die lokale Presse scheint das tatsächliche Problem Kahlas wohl ebenfalls nicht zu erkennen. Denn wann erschien in der TLZ das letzte Mal ein Artikel zu rechten Umtrieben in Kahla?

Wir haben am letzten Wochenende in Kahla demonstriert, weil es uns nicht egal ist, wenn Faschisten langsam die Kontrolle in einer Stadt übernehmen. Anders als die bürgerlichen Antifaschistinnen und Antifaschisten sämtlicher Bürgerbündnisse, hört unser Antifaschismus nicht an der eigenen Stadtgrenze auf. Uns wird vorgeworfen unsere Demonstration wäre hetzerisch gewesen. Wir erkennen durchaus an, dass es auch in Kahla Menschen gibt, die sich an den rechten Entwicklungen stören. Mit den Bürgerinnen und Bürgern Kahlas, denen das alles egal ist, für die Kahla nur Kekse, Keramik und Leuchtenburg ist, mit denen wollen wir tatsächlich nichts zu tun haben. Sie haben sich bisher nicht dafür interessiert, was in ihrer Stadt passiert und es wird sie auch in Zukunft nicht interessieren. Sie sind auch der Grund, warum sich die anderen Bewohner Kahlas, die mit der rechten Hegemonie nicht einverstanden sind, nicht trauen, ihre Abneigung gegen die Neonazis offen zu äußern. Sie haben nicht nur Angst, von den Nazis verprügelt zu werden, sondern auch davor, vom Rest der „Kahl’schen“ als Nestbeschmutzer verunglimpft zu werden. Nicht zuletzt deshalb, weil ein großer Teil dieser “normalen” Bürger sehr klar gegen die Nestbeschmutzer im Inneren und Äußeren Position bezieht, werden wir unsere Kampagne fortsetzen.

Quelle: http://burgfriedenbrechen.blogsport.eu/2014/06/23/demonstration-gegen-rechte-hegemonie-in-kahla/

Den Burgfrieden brechen! – Antifaschistische Demonstration am 21.06. in Kahla

Thüringen, das braune Herz Deutschlands? Berichte über die Anfangsjahre des Nationalsozialistischen Untergrunds und das „braune Haus“ sorgen für Gänsehaut, aber aktuell gibt es vermeintlich keine offen auftretenden Nazis in der Jenaer Innenstadt. Also: Alles in Ordnung in Jena?

Nein, vielmehr hat sich der Szeneschwerpunkt mit dem Nutzungsverbot für das „braune Haus“ einfach von Jena nach Kahla verlagert. Wenn wir also dazu aufrufen, den Burgfrieden zu brechen, gilt das nicht nur für die Leuchtenburg als Identifikationsobjekt für Heimatliebe und Deutschtümelei, sondern vor allem auch für die Burg 19 als Anlaufpunkt des Freien Netzes (FN) Kahla, das mit dem Freien Netz Jena weitgehend identisch ist.

Dass die NPD in den Kahlaer Stadtrat einzieht, war leider zu erwarten. Dass sie dies jedoch mit einem Ergebnis von 8,6 % schaffte, erstaunte dann leider doch. Es ist eines der höchsten Ergebnisse der Partei in Thüringen, wobei sie ihre Sitze in Stadt- und Gemeinderäten allgemein mehr als verdoppeln konnte. Das Besondere dabei ist, dass es sich bei den Kandidaten weniger um alteingesessene NPD-Kader handelt, sondern um Mitglieder des Freien Netzes Kahla. Hier zeigt sich mal wieder die Symbiose von Freiem Netz und der NPD. Dass die Kandidaten dabei strafrechtlich keine unbeschriebenen Blätter sind erklärt sich fast von selbst. Der Stadtratskandidat David Buresch beispielsweise war an mehreren Angriffen auf andersdenkende in Jena und Dortmund beteiligt.

In Kahla hat das Freie Netz ein System der Angst etabliert, welches ein Leben für antifaschistisch oder zivilgesellschaftlich engagierte Menschen und solche, die nicht in das Weltbild der Nazis passen, unerträglich macht. Gerade die permanenten Angriffe, Einschüchterungen oder Bedrohungen offenbaren ein klares Bild dieses Systems. Darüber hinaus zeichnete sich das Freie Netz beim letztjährigen Thüringentag der nationalen Jugend dadurch aus, dass es ganz offen Solidarität für den inhaftierten mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben forderte und Gelder für ihn sammelte.

Dabei kann die Kahlaer Szene auf etablierte rechte Infrastruktur zurückgreifen. 2011 erwarben mehrere Neonazis die Burg 19, in der nicht nur der Kreistagsspitzenkandidat Hendrik Radtke wohnt, sondern auch Liederabende oder Mensurfechten neonazistischer Burschenschaften stattfinden. Darüber hinaus wohnen in der Burg 19 ein Mitglied des Aktionsbüros Mittelrhein, gegen das wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wird und ein wegen versuchten Todschlags zu 5 Jahren Haft verurteilter Neonazi aus Berlin.

So ist Kahla zweifelsfrei ein Rückzugsort für organisierte Neonazis. Doch den Burgfrieden brechen meint mehr. Es ist der Gesamtzustand in Kahla, wegen dem es einer Intervention bedarf. Dieser Zustand zeichnet sich durch die seit einigen Jahren kontinuierlich zunehmenden Naziaktivitäten und die Ignoranz großer Teile der Bevölkerung aus. Wenig überraschend ist es daher, wenn Vertreter der CDU fordern, dass man, da die Nazis demokratisch gewählt worden sind, “ganz normal und ohne Diskrepanz miteinander umgehen”(OTZ) müsse.

Das wollen wir nicht hinnehmen und rufen deshalb am 21. Juni 2014 um 15 Uhr zu einer antifaschistischen Demonstration am Bahnhof in Kahla auf, um dem braunen Mob und den ignoranten Bürger_innen entgegenzutreten. Den Burgfrieden in Kahla brechen!

Quelle: http://burgfriedenbrechen.blogsport.eu/2014/06/13/den-burgfrieden-brechen-antifaschistische-demonstration-in-kahla-am-21-06/

Zum Wahlkampf der NPD Kahla/SHK

Am 25. Mai ist es soweit. Es wird gewählt was das Zeug hält: Europaparlament, Kreistag, sowie die Gemeinderäte sollen per Urnengang neu bestückt werden.

Im Falle von Kahla und dem Saale-Holzland-Keis heißt das, dass am genannten Datum erstmals auch waschechte Neonazis wählbar sein werden. Im Dienste der wohl einzigen Partei, die es sich leisten kann solche Subjekte zur Wahl anzubieten, dabei unter dem Banner „NPD Kahla/SHK“ firmierend, wird so seit geraumer Zeit eine Art Wahlkampf betrieben. Auch ein 6-teiliges Wahlprogramm wurde schon via Facebook, bzw. über den Twitter-Kanal des FN Kahla vorgelegt. Zusammengefasst handelt es sich bei diesem Programm um eine Mischung aus taktischer Inhaltslosigkeit, kollektivistischem Kitsch, und dem einschlägigen NPD-Jargon, der seine fremdenfeindlichen, homophoben oder sonst wie menschenfeindlich gearteten Intentionen nur schwerlich geheim zu halten vermag.
Dass gerade Kahla für die Nazis besonders wichtig erscheint, wird speziell durch den inflationären Einsatz von Wahlpropaganda deutlich: Dutzende, meist nur durch Leitern zu erreichende, und dabei inhaltlich stark an die Debilität der Bevölkerung appellierende Wahlplakate der NPD prägen das Bild der Kleinstadt. Zudem rufen die Urheber ihre Sympathisanten dazu auf, eventuelle Entsorgungsaktionen die erwähnte Plakate betreffen, zu melden. Auch wurden Haushalte direkt mit teils rassistischen Flugblättern beliefert.

Parallel zum Wahlkampf wurden in Kahla auch wieder unzählige FN-Sticker geklebt. Darüber hinaus tauchten auch wieder Schmierereien mit u.a. antisemitischen, xenophoben oder eben FN-bezogenen Inhalten auf. Natürlich wollen wir Euch an dieser Stelle einen kleinen Vorgeschmack dessen, wofür die NPD Kahla/SHK im Falle ihrer Wahl einsteht nicht vorenthalten:

Spielplatz
Markt1

NPD-Kandidaten für den Kahlaer Stadtrat – Kurzer Überblick

Hier die Nazis, die sich für den Kahlaer Stadtrat bewerben (Quelle: Kahlaer Nachrichten 8/2014; alle Wohnhaft in 07768 Kahla):

Marcel Bütow (geb. 27.12.1979; Rollestr. 7; Metallbauer)

David Buresch (geb. 25.09.1990; Friedensstraße 19; Auszubildender)

Hendrik Radtke (geb. 11.02.1985; Burg 19; Produktionsmitarbeiter)

Johannes Bertels (geb. 10.09.1985; Burg 19; arbeitslos)

Weiterführende Informationen hier

Stadtrats- und Kreistagswahlen: Die Kandidaten der NPD

Die NPD-Kandidaten für die diesjährigen Kreistags- und Stadtratswahlen stehen fest. Darunter zu finden sind selbstverständlich einige wohlbekannte und massiv vorbestrafte Neonazis aus Kahla und Umgebung. Diese hypen ihren Wahlkampf nun auch auf einer eigens angelegten Facebook-Seite, die unter dem Namen „NPD Kahla/SHK“ läuft.

Einen sehr ausführlichen Artikel zum Thema findet Ihr HIER

NPD will Kandidaten für Stadtratswahl stellen

Im Zuge der Kommunalwahlen am 25. Mai 2014, will die neonazistische NPD erstmals auch Kandidaten für den Kahlaer Stadtrat stellen. Dies geht aus einer Erklärung der NPD-Thüringen vom vergangenen Montag hervor.

Außerdem will die Partei für den Kreistag des Saale-Holzland-Kreises kandidieren.
Sobald es nähere Einzelheiten zu den lokalpolitischen Bestrebungen der Nazis bzw. den Bewerbern im Einzelnen gibt, werden wir Euch selbstverständlich darüber informieren.

Trügerische Ruhe

Nunmehr 3 Monate sind seit dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ vergangen. Der Hype den das Rechtsrock-Festival zeitweise auslöste, hat sich längst gelegt. Allgemein scheint es so, dass es in Nazi-Kahla recht ruhig geworden ist. Dazu muss jedoch gesagt werden: Die Ruhe ist nur äußerlicher Natur.

Tatsächlich ist es in Bezug auf rechtsmotivierte Straftaten recht still geworden. Besonders auffällig ist, dass in letzter Zeit keine nennenswerten grafischen Aktionen mit neonazistischen Hintergründen aufgetaucht sind, und auch Fälle von Vandalismus, wie die Attacke auf den Demokratieladen im April diesen Jahres, blieben bis jetzt aus. Unter Umständen hat das FN-Kahla gemerkt, dass ständige Übergriffe in Kombination mit notorischem Erwischtwerden, keine dauerhaft erfolgsversprechende Strategie sind.
Motiviert von der tatsächlichen und/oder halluzinierten Zustimmung, die der Thüringentag bei den Einwohnern Kahlas fand, gibt sich das Freie Netz Kahla zunehmend bürgernah. So wurde im August u. a. ein Spendenschwimmen im Kahlaer Freibad von FN-Leuten instrumentalisiert. Natürlich blieb aber auch stumpfe Nazi-Propaganda in letzter Zeit nicht aus: So zog man, ebenfalls im August, das obligatorische Rudolf-Heß-Gedenken durch. Zu Ehren des geisteskranken Hitler-Stellvertreters wurden im Kahlaer Stadtgebiet Kerzen aufgestellt und Propagandamaterial verteilt. Heß gilt bei den heutigen Nazis als Märtyrer.

Auch die Bundestagswahl vergangenes Wochenende zeigte wiedermal deutlich wie es um Kahla bestellt ist. Bereits im Vorfeld fiel auf, dass die NPD mit ihren Wahlplakaten am stärksten vertreten war. Auch das FN-Kahla meldete sich in Form einer Flugblatt-Aktion zu Wort, bei der dazu aufgerufen wurde im Zweifel die neonazistische Partei zu wählen.
Addiert man die Wahlergebnisse der (eindeutig) rechten Parteien (NPD, AfD, Republikaner), so kommt man in Kahla auf insgesamt 13,7% der Zweitstimmen.

Rückblick auf das vergangene Nazi-Festival

Es war einer dieser Tage an die man mit den denkbar geringsten Erwartungen herangeht, obgleich man sich im Nachhinein eingestehen muss, auch damit noch zu optimistisch gewesen zu sein. Kein Wunder, wo doch ein Gros der involvierten Personen und Gruppen, ihre Tätigkeiten als bloßen Selbstzweck verstehen und eigentlich auch nicht so recht wissen warum sie das tun, was sie tun.

Die Rede ist hier natürlich vom 12. „Thüringentag der nationalen Jugend“, bzw. den „Gegenaktivitäten“. Hier zuerst einmal ein paar langweilige Zahlen, obwohl diese nicht, oder zumindest nicht unumstritten, das Langweiligste an diesem Tag waren:
In Kahla sollen um den 15. 06. 2013 herum knapp 2000 Polizisten im Einsatz gewesen sein, inklusive Hubschraubern, Wasserwerfern und Motorbooten, welche der Kleinstadt ein militärisches Flair verliehen. Davon abgesehen dass Einsatzkräfte zu Lande, zu Wasser und in der Luft anwesend waren, sollen die „Gegenaktivitäten“ von ungefähr 600 Leuten besucht worden sein. Auf Seiten der Nazis schließlich, waren ca. 150 gekommen, erwartet wurden 300.

Für die Nazis scheint dennoch festzustehen, dass der „Thüringentag“ trotz der geringen Teilnehmerzahl ein Erfolg war, auch wenn diese aller Wahrscheinlichkeit nach selbst ein 15-Leute-Treffen in feinster Goebbels-Manier in einen Sieg umgelogen hätten. Was jedoch am besorgniserregendsten ist, ist die Tatsache dass, abgesehen von den zu erwartenden Kahlaer Nazis, die auf den bis jetzt veröffentlichten Bildern als Festivalbesucher zu sehen sind, besonders die Akzeptanz der örtlichen Bürger gegenüber den Neonazis, für eben jene so positiv erwähnenswert ist. Leider ist an dieser Behauptung mindestens ein Fünkchen Wahrheit: So war in der unmittelbaren Zeit vor dem Thüringentag, die Angst vor „linken Gewalttätern“ eher für ein Stadtgespräch gut, als gegen „art- und kulturfremde“ Menschen hetzende Faschisten, die genau vor der eigenen Haustür tagen. Schon irgendwie komisch dass die, die doch so leidenschaftlich gern hier leben, ihren geliebten Heimatort ausgerechnet von Antifaschisten bedroht sehen. Diese Tatsache könnte Mensch glatt zu dem Schluss führen, latenten Nazisympathien unter den Kahlaern auf die Schliche gekommen zu sein, oder man klammert sich zumindest an die Hoffnung, dass die Nachbarn einfach nur ignorant und ungebildet sind. Unglücklicherweise bilden diese aber auch das Klientel, welches die Rattenfänger von rechts zu rekrutieren versuchen, indem sie den Leuten suggeriert sie sollen Menschen hassen die „anders“ sind, anstatt sich den Hass gegen sich selbst einzugestehen. Dumm nur, dass es diese Art Nazis hier schon mehr als genug gibt, Beispiele solcher Hauptschulabbrecher gibt es auf www.kahla-info.de zu bestaunen. Besonders anfällige Zeitgenossen treibt die Angst vor individueller Selbstentfaltung über kurz oder lang in eine solche braune Gang. Normalerweise könnte entsprechende Aufklärung dieses Risiko zumindest verringern, allerdings nur wenn Nazismus auch als solcher von der Umwelt behandelt wird. Und da ist der springende Punkt: in einer Dorfgemeinschaft wie Kahla, die von ihrem Nachwuchs unterschwellig verlangt, Sonderlinge erst einmal als potentielle Schädlinge für das Gemeinwohl zu betrachten, die rechtsmotivierte Jugendliche allerdings nicht in diese Kategorie einordnet, scheint jeder Versuch dagegen zu halten schon vorher gescheitert zu sein, bzw. können nur Leute überzeugt werden, die eigentlich vorher schon überzeugt waren. Das hat sich auch am vergangenen Samstag gezeigt: die meisten der Kahlaer Einwohner, die bspw. kurz an der „Meile der Demokratie“ vorbeischauten, waren auch wieder so schnell weg wie sie gekommen waren, spätestens jedoch als begriffen wurde, dass sich der einzige Bierstand an diesem Tag auf dem Gries befand. Soll ja aber keinen kümmern, schließlich kann man dem Nachbarn mitteilen dabei gewesen zu sein und sich selbst noch ein gutes Gewissen einreden. Was die restlichen 364 Tage so alles im Heimatort passiert, dass die Nazis da genauso präsent sind, interessiert ja auch keine Sau. Irgendwie können einem die Auswärtigen etwas leid tun, die glaubten in Kahla sei tatsächlich etwas zu holen. Während die einen ihr standardisiertes Programm der Menschenblockaden durchzogen, setzten die anderen auf Volksfeststimmung. Alle wirkten jedoch so, als wären sie im Vorfeld den verharmlosenden Artikeln und Kommentaren der Lokalpresse auf den Leim gegangen, die Kahla um Gottes Willen nicht als „braunes Nest“ verstanden haben wollen.

So lapidar die Forderungen nach Toleranz und Weltoffenheit auch klingen mögen, sobald sie lediglich aus leeren Worthülsen bestehen und quasi nur aus selbstbestätigender Absicht gestellt werden, sind sie von vornherein zum Scheitern verdammt. Wenn sie von einer Gemeinschaft mit derart festgefahrenen Wert- und Moralvorstellungen verlangt werden, dann müssten sie mindestens ihrem eigenen Begriff gerecht werden, um wenigstens eine minimale Chance der Verwirklichung für sich beanspruchen zu können. Es sollte zumindest hinterfragt werden, ob die Gemeinschaft mit der man für eine humane Gesellschaft kämpfen möchte, auch bereit dazu ist in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten.

Wichtige Infos bzgl. des Nazi-Festivals in Kahla!!

Hier noch ein paar Informationen zum „Thüringentag der nationalen Jugend“:

- Die Nazis sollen bereits heute um 20 Uhr mit den Aufbauarbeiten beginnen!

- Das Nazi-Festival an sich wird laut Veranstaltern am Samstag um 12 Uhr auf dem „Festplatz Gries“ beginnen. Karte:

- Informationen zu geplanten Gegenaktivitäten findet Ihr hier.

- Stichwort Zuganreise: Es werden wohl nicht allzu viele Nazis mit dem Zug fahren, versucht aber trotzdem Euch in großen Gruppen zu bewegen, um im Falle eines Falles situationsgerecht handeln zu können, versucht bei Zeiten in Kahla zu sein und haltet bitte auch beim Weg zu den Blockaden die Augen offen!

- Hier noch ein paar Rechtshilfetipps, falls Ihr verhaftet werdet, Verhaftungen beobachtet, o. Ä.,

- Außerdem sei nochmal gesagt: PASST AUF EUCH AUF!

(Gegebenenfalls werden wir an dieser Stelle noch bis morgen früh weitere, aktuelle News veröffentlichen, bei Gelegenheit also nochmal vorbeischauen!)

Recherche-Seite über Nazistrukturen in Kahla online

In dieser Woche ging die neue Dokumentation naziskahla.wordpress.com online. Dort gibt es ausführliche Informationen über die rechte Szene in Kahla, historische und aktuelle Entwicklungen, Strukturen, relevante Personen und Hintergründe.